Apr 10 2008
Architekturaufnahmen: Stürzende Linien vermeiden
Wie oft ist es schon passiert? Man wollte als Hotel-Fotograf eine schöne Spiegelung in den Fensterscheiben eines Hochhauses einfangen oder ein historisches Gebäude fotografieren. Das Ergebnis: stürzende Linien. Dies liegt daran, dass unser Auge die Umgebung anders wahrnimmt, als die Kamera. Was für uns gerade aussieht, kommt auf dem Datenchip noch lange nicht so an.
Manche Hobbyfotografen umgehen das Problem, indem sie das Haus nicht frontal, sondern über Eck fotografieren. Dadurch erreicht man zwar eine andere Sichtweise, aber manchmal ist eben genau die Frontansicht gewünscht. Hier hilft nur ein spezielles Objektiv, auch Shift-Objektiv genannt, durch diesen der Betrachtungswinkel manipuliert werden kann. Zudem sollte man das Haus nicht von unten nach oben fotografieren, sondern den Standpunkt so wählen, dass man von der Mitte aus, das ganze Objekt auf den Sucher bekommt. Dafür muss man sich eventuell vom Haus entfernen oder einen höheren Standpunkt einnehmen.
Ebenso kann man versuchen, mit einem Weitwinkelobjektiv zu fotografieren. Dabei wird die Kamera nicht gerade, sondern abgewinkelt gehalten, so dass sich die Linien begradigen. Es bedarf also auch ein bisschen Übung, bis man es heraus hat, wie man die stürzenden Linien am besten vermeidet.
Wenn danach noch etwas schief ist, gibt es auch noch die Möglichkeit, die Linien mit einem Bildbearbeitungsprogramm zu entzerren.
Ein Kommentar
Weitere Möglichkeit stürzende Linien zu vermeiden ist eine Fachkamera für Architekturaufnahmen zu verwenden, mit der man nicht die Kamera neigt, sondern den Bildkreis nach oben verschiebt.
Wenn die Bild- und Gegenstandsebene paralell zueinander verlaufen, erhält man eine winkelgetreue Abbildung des Aufnahmeobjektes.
Stürzende Linien oder Verzerrungen durch extreme Weitwinkelobjektive fallen in Räumen besonders stark auf, da sich das Auge an geraden Linien orientiert. Hier ermöglicht eine Wasserwaage – die ständig im Sucherbild angezeigt wird – schnelle Korrekuren bei der Aufnahme.
Bei Berufsfotografen gelten Aufnahmen als unprofessionell, wenn gerade Linien nicht parallel abgebildet sind. Wenn der Aufnahmestandpunkt am Fuße eines Hochhauses ist, haben wir festgestellt, dass eine Verjüngung der Linien nach oben eher als natürliche Bildwirkung wahrgenommen wird. Wir liefern deshalb ein Foto, wie der Kunde sich das vorstellt und eine Variante mit minimaler Verjüngung der Linien nach oben, die dann meist ausgewählt wird.